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  Auf dem Weg zur CO2-freien Baukultur  

Bleiben Sie informiert über die neuesten Entwicklungen unseres Forschungsprojekts auf dem Weg zu einer CO2-freien Baukultur. Entdecken Sie aktuelle Updates, Meilensteine und die innovativen Werkzeuge, die wir einsetzen, um eine nachhaltige Zukunft zu gestalten. Verpassen Sie keine Neuigkeiten und begleiten Sie uns auf unserem erfolgreichen Weg!

Jänner 2026
  „Zwischen Anspruch und Realität: Daniel Ehrl über drei Jahre DREI × NULL = NULL“  
Daniel Ehrl war beinahe von Beginn an Projektleiter von DREI × NULL = NULL. Er hat das Forschungsprojekt nicht nur fachlich maßgeblich geprägt, sondern auch strukturiert, koordiniert und durch komplexe Phasen geführt. Ende des vergangenen Jahres verließ er MAGK Architekten im Zuge interner Einsparungen.
Wir haben mit ihm über seinen persönlichen Zugang zu klimaneutralem Bauen, über Lernkurven und Irrtümer im Projekt gesprochen, über systemische Grenzen im Wohnbau und darüber, was DREI × NULL = NULL für die Branche hinterlässt.

Vom Zweifel an der Baupraxis zum radikalen Perspektivwechsel

Du kommst aus der klassischen Projektleitung im Wohnbau. Warum hast du bewusst einen Bruch gesucht?
Daniel Ehrl: Nach vielen Jahren im mineralischen Wohnbau wurde mir klar, dass die gängige Baupraxis keine Zukunft hat. Kurz bevor ich in die Projektleitung von DREI x NULL = NULL eingestiegen bin, hatte ich einen Wohnbau mit über 400 Wohnungen in Stahlbeton fertiggestellt. Der enorme Materialeinsatz ließ sich für mich kaum noch mit dem Anspruch an klimaschonendes Bauen vereinbaren. Ich hatte das Gefühl, ständig Systeme zu perfektionieren, die grundsätzlich falsch aufgestellt sind.

DREI × NULL = NULL war also weniger Aufbruch als Konsequenz?
Daniel Ehrl: Genau. Das Projekt stellt eine einfache, aber radikale Frage: Wie erreichen wir CO₂-Neutralität über alle Lebenszyklusphasen hinweg gemeinsam mit der Planung, Ausführung und den Auftraggebern? Diese Konsequenz hat mich überzeugt.

Mit welchem Bild bist du in das Projekt gestartet?
Daniel Ehrl: Eher mit Skepsis als mit Euphorie. CO₂-Neutralität über alle Lebenszyklusphasen klang zunächst sehr theoretisch, vor allem weil ich davor kaum praktisch mit CO₂-Bilanzen gearbeitet hatte. Ich war unsicher, ob sich dieser Anspruch wirklich in konkrete Projekte übersetzen lässt.

Und was hat dieses Bild ins Wanken gebracht?
Daniel Ehrl: Die frühe Konfrontation mit Daten. Bereits in den ersten Wochen wurde deutlich, wie viele Stellschrauben es tatsächlich gibt. Besonders prägend war, wie konkret Emissionen plötzlich wurden: Über EPD-Daten (Environmental Product Declaration) ließ sich sehr klar nachvollziehen, wo Emissionen entstehen und wo vermeintlich „leichte“ Lösungen überraschend hohe Belastungen verursachen.

Wirklicher Fortschritt entsteht durch Zuhören, Nachfragen und gemeinsames Lernen.

Die einfache Formel A = 0, B = 0, C = 0 wird mit jedem Planungsschritt anspruchsvoller.

Die drei Nullen – einfach formuliert, komplex umgesetzt

Hat das auch deinen Blick auf die drei Lebenszyklusphasen verändert?
Daniel Ehrl: Ja, deutlich und anders als erwartet. Zu Beginn hielt ich die Errichtungsphase für die größte Herausforderung, während Betrieb und Rückbau realistischer wirkten. Mit zunehmender Detailtiefe zeigte sich jedoch, dass gerade Betrieb und Rückbau komplexer sind, weil dort immer mehr, oft schwer greifbare Emissionsquellen sichtbar werden. Die einfache Formel A = 0, B = 0, C = 0 wird mit jedem Planungsschritt anspruchsvoller.

Wenn Lösungen nicht offensichtlich sind: Was ist dann der eigentliche Kern des Projekts?
Daniel Ehrl: Der Kern liegt nicht in der einzelnen Maßnahme, er liegt im Prozess. DREI × NULL = NULL ist für mich ein gemeinsamer Lernraum. Architektur, Bauträger und Forschung entwickeln Strategien nicht nebeneinander, sondern miteinander und stellen Annahmen immer wieder infrage.

Was hat geholfen, dass dieser Prozess nicht stecken bleibt?
Daniel Ehrl: Entscheidend war die aktive Einbindung der Bauträger, nicht nur auf Projektebene, sondern auch auf Geschäftsführungsebene. Ein weiterer Wendepunkt war der Start der Demonstrationsprojekte. Erst als die theoretischen Diskussionen in konkrete Planungen übergingen, gewann das Projekt spürbar an Dynamik, auch wenn es dabei Verzögerungen gab.

Drei Demonstrationsprojekte, keine einfache Antwort

Die Demonstrationsprojekte verfolgen sehr unterschiedliche Ansätze. War das von Anfang an so gedacht?
Daniel Ehrl: Ja, und genau darin liegt ihre Stärke. Jedes der drei Demonstrationsprojekte setzt bewusst andere Schwerpunkte und genau dadurch können sie voneinander lernen.

Ein Projekt untersucht intensiv den Einsatz von Re-use-Bauteilen; ein anderes widmet sich den Herausforderungen einer wasserresilienten Erdgeschoßzone in Verbindung mit ökologischer Bauweise.

Ein zentrales Thema in allen Projekten sind die Pflichtstellplätze. Die Lösungsansätze unterscheiden sich jedoch deutlich: Während Alpenland ein oberirdisches Parkdeck in Holzbauweise plant, steht bei EGW der Einsatz von Stahlbeton-Re-use-Elementen im Vordergrund, um die Emissionen zu reduzieren. Das Projekt der Schöneren Zukunft untersucht die Möglichkeiten des Einsatzes von Re-Use Bauteilen als tragende Elemente bei Balkonen und Laubengängen.

Alle drei Projekte verfolgen das Ziel eines möglichst CO₂-optimierten und gleichzeitig wirtschaftlich tragbaren Wohnbaus. Projektübergreifend zeigt sich: Es gibt keine universelle Lösung, wohl aber übertragbare Strategien wie frühe Emissionsbetrachtung, material- und tragwerksoptimierte Planung und kontinuierlichen Austausch.

Gab es Erkenntnisse, die euren eigenen Erwartungen widersprochen haben?
Daniel Ehrl: Mehrere. Ein prägnantes Beispiel sind Balkonlösungen: Stahlkonstruktionen mit Außenraumtauglichen HPL Platten wirken auf den ersten Blick leicht und effizient, verursachen bilanziell aber oft mehr Emissionen als klassische Stahlbetonplatten. Solche Ergebnisse relativieren viele intuitive Annahmen.

Durchhaltevermögen, Elan und Mut sind auf jeden Fall notwendig, um eine radikale Veränderung im Bauwesen umsetzen zu können.

Jedes der drei Demonstrations-
projekte setzt bewusst andere Schwerpunkte und genau dadurch können sie voneinander lernen.

Wo der Wille da ist und wo das System bremst

Wenn Wissen vorhanden ist – wo liegen dann die tatsächlichen Grenzen?
Daniel Ehrl: Nicht im Technischen und nicht im Organisatorischen. Die größten Hürden liegen aktuell im Förder- und Finanzierungssystem, insbesondere im sozialen Wohnbau. Ökologische Bauweisen verursachen derzeit oft Mehrkosten, die durch bestehende Förderinstrumente nicht ausreichend abgedeckt werden.

Ein zentrales Schlagwort ist Kreislauffähigkeit. Wo wird sie zu einfach gedacht?
Daniel Ehrl: Vor allem dort, wo sie nur theoretisch betrachtet wird. Kreislauffähige Neubauten lassen sich relativ gut planen, scheitern in der Praxis aber häufig an Kosten, Normen oder fehlender Erfahrung. Der Einsatz von Re-use-Bauteilen ist nochmals komplexer wegen der Verfügbarkeit, der Zulassung und der unklaren wirtschaftlichen Bewertung.

Trotz dieser Hürden: Was lässt sich aus dem Projekt realistisch skalieren?
Daniel Ehrl: Der bewusste, datenbasierte Umgang mit Emissionen. Ein klar definierter Ökobilanzierungs-Workflow kann die Planung, die Ausführung und die Auftraggeber dabei unterstützen, Entscheidungen nicht aus dem Bauch heraus, sondern auf Basis realer Auswirkungen zu treffen.

Wo hat das Projekt aus deiner Sicht den stärksten Impuls gesetzt?
Daniel Ehrl: In der konsequenten Betrachtung aller Lebenszyklusphasen. Werkzeuge wie das „Living Diagramm“ machen Zusammenhänge sichtbar und erlauben es, Maßnahmen zeitlich und inhaltlich einzuordnen.

 

Ein persönlicher Blick zurück und nach vorn

Was nimmst du persönlich aus der Projektleitung mit?
Daniel Ehrl: Dass große, diverse Konsortien eine klare Struktur brauchen und gleichzeitig einen Raum für Reibung. Wirklicher Fortschritt entsteht durch Zuhören, Nachfragen und gemeinsames Lernen.

Zum Abschluss: Was möchtest du dem Team mitgeben?
Daniel Ehrl: Auch wenn es Gegenwind gibt, dürfen wir den Antrieb nicht verlieren und sollten neugierig sowie mutig bleiben. Bei einem dicken Brett braucht es oft mehrere Anläufe, bis man durch ist und die Klimaneutralität im Bauwesen ist weit mehr als nur ein dickes Brett.
Durchhaltevermögen, Elan und Mut sind auf jeden Fall notwendig, um eine radikale Veränderung im Bauwesen umsetzen zu können. Gleichzeitig ist es absolut bereichernd, Teil dieses Prozesses zu sein.

Daniel Ehrl

studierte Architektur an der Technischen Universität in Wien und München und ist seit knapp 20 Jahren in verschiedenen Architekturbüros in Wien in der Planung und Ausführung von Wohn-, Gewerbe-, Büro- und Sanierungsprojekten tätig. Darüber hinaus bringt er seine Expertise in forschungsnahen Transformationsprojekten wie DREI x NULL = NULL ein, mit Fokus auf klimaneutrales Bauen.

Oktober 2025
  DREI x NULL schaut sich um: Forschung trifft Holzbaupraxis  
Forschung bedeutet für DREI x NULL = NULL, über den Tellerrand zu blicken, neue Perspektiven zuzulassen und den Dialog mit der Praxis aktiv zu suchen. Am 31. Oktober 2025 besuchte unser Konsortium das Holz-Wohnbauprojekt „Stadtvillen Mödling“ der ARE, um den Baufortschritt aus nächster Nähe zu erleben und um wertvolle Erkenntnisse für die laufende Forschungsarbeit zu gewinnen.

Visualisierung © bevisual

Nachhaltiger Wohnbau in Holzbauweise
Nach den Plänen von MAGK Architekten, KPPK Ziviltechniker GmbH und Grünplan GmbH entstehen in Mödling vier mehrgeschossige Holzwohnbauten mit jeweils 11 bzw. 12 Wohnungen.
Das Projekt wird von der ARE Austrian Real Estate gemeinsam mit dem der Rhomberg Bau GmbH umgesetzt. Die Fertigstellung ist für die erste Jahreshälfte 2026 vorgesehen.
Mit seiner Kombination aus nachhaltiger Bauweise, ökologischen Materialien und hoher Energieeffizienz gilt das Projekt als beispielhaft für den Holzwohnbau von morgen.

Forschung trifft Praxis im Holzbau
Der Baustellenbesuch war ein wichtiger Baustein der Forschungsarbeit von DREI x NULL = NULL. Im Mittelpunkt standen Fragen zur Übertragbarkeit von Forschungsergebnissen in die Baupraxis, zu Planungsprozessen im großvolumigen Holzbau sowie zu Schnittstellen zwischen Forschung, Architektur und Ausführung.
Unter der fachlichen Leitung von MAGK Architekten erhielten unsere Forschungspartner_innen Alpenland, EGW und Schönere Zukunft direkte Einblicke in die Bauphasen und diskutierten konkrete Erfahrungen zu technischen, organisatorischen und kommunikativen Aspekten.

Wissenstransfer als Schlüssel zur Innovation
Der Besuch verdeutlichte, wie essenziell der kontinuierliche Austausch zwischen Forschung und Praxis für den Fortschritt im nachhaltigen Wohnbau ist.
Nur durch den direkten Wissenstransfer können Erkenntnisse aus realen Bauprojekten systematisch in zukünftige Forschungs- und Entwicklungsprozesse einfließen.
Ein herzlicher Dank gilt der ARE, vertreten durch Martin Nikisch, für die Möglichkeit, den Bauprozess hautnah mitzuerleben und praxisnahe Impulse in die wissenschaftliche Arbeit von DREI x NULL einzubringen.

 

Weitere Infos
Projektinfos
MAGK Architekten

Juli 2025
  Wasser-Resilienz trifft auf klimaneutrales Bauen  
Unser Forschungsprojekt ist geprägt durch einen kontinuierlichen Wissensaustausch mit Expert:innen aus verschiedensten Fachbereichen. In einem Workshop Anfang Juli beschäftigten wir uns intensiv mit einer besonderen Herausforderung:
CO₂-neutrales Bauen trotz Hochwassergefahr – geht das?

Hochwasser als Herausforderung
Ein zentrales Ziel von DREI x NULL = NULL ist es, bereits in der Errichtungsphase Netto-Null CO₂-Emissionen zu erreichen. Doch insbesondere in hochwassergefährdeten Regionen scheint dies eine schwierige Aufgabe zu sein.

Alternativen zur mineralischen Bauweise
Gemeinsam mit Sylvia Polleres (#Holzforschung Austria), Ingenieurbüro Pölzl (Haustechnikplanung), RWT+ (Tragwerksplanung) und der Alpenland erforschen MAGK Architekten Alternativen zu konventionellen mineralischen Bauweisen. Ziel ist es, Holzkonstruktionen effektiv vor Hochwasser zu schützen und gleichzeitig Konstruktionen zu entwickeln, die im Schadensfall unkompliziert und schnell sanierbar sind.

Weniger ist mehr Ein Verzicht auf Untergeschosse ist nicht nur im Sinne der CO₂-Optimierung ratsam, sondern gerade bei hochwassergefährdeten Bauprojekten unabdingbar. Gleichzeitig können einfache, reduzierte Bodenaufbauten im Erdgeschoss dazu beitragen, die Emissionen in der Errichtungsphase deutlich zu senken.

Sockeldetails entscheidend Ein technisch durchdachter und ökologisch optimierter Sockelbereich der Außenwand steht aktuell im Mittelpunkt der Diskussion. Erste Lösungsansätze werden bereits konstruktiv diskutiert und künftig tiefergehend untersucht.

Mai 2025
 Wie Permakultur das nachhaltige Bauen revolutionieren kann   
Wenn unser Forschungsteam eine Exkursion macht, um in die Welt der Kompostierung einzutauchen, den kühlen Schatten eines Waldgartens zu genießen oder die Geheimnisse eines Alchemistenparks zu erforschen, dann mag man sich durchaus fragen: Was genau verbindet diese Orte mit nachhaltigem Bauen?

Alchemistenpark in Kirchberg am Wagram mit Valerie Seitz von der Permakultur Austria Akademie (ganz links) und Permakultur-Experte Sigi Tatschl (ganz rechts).

Badesee Cohousing Pomali in Wölbling

Essbare Landschaft Couhousing Pomali in Wölbling

Permakultur bedeutet weit mehr als lediglich Gemüse anzupflanzen oder attraktive Gärten anzulegen. Es ist vielmehr eine tiefgehende Methode zur Entwicklung regenerativer und resilienter Systeme, die ganzheitlich denkt und handelt. Gesundheit, Wirtschaftlichkeit, Wasser- und Energieversorgung sowie Biodiversität und Landpolitik – all das fließt in die Planung und Umsetzung permakultureller Projekte ein.

Agrarwissenschaftler Florian Amlinger beim Kompostieren

Franco Baumeler vom Gemüsegut in Neustift bei Obritzberg

Erfahrungsräume der Nachhaltigkeit
Valerie Seitz, Leiterin der Permakultur Austria Akademie nahm uns mit auf eine faszinierende Reise durch Niederösterreich. Die Tour führte uns eindrucksvoll vor Augen, wie Permakultur und nachhaltiges Bauen miteinander verbunden sind.

Unser erster Halt war das „Gemüsegut“ von Franco Baumeler in Neustift bei Obritzberg, ein ehemaliges Ackerland, das nun als essbare Landschaft mit Gemüsebeeten und Gewächshäusern im Sinn der Grundprinzipien der Permakultur floriert. Baumelers Vision, „neue Aromen und Geschmäcker zu entdecken“, bestätigte sich eindrucksvoll bei unserem gemeinsamen Mittagessen.

Weiter ging es nach Kirchberg am Wagram, wo Permakultur-Experte Sigi Tatschl eine der ersten essbaren Gemeinden Österreichs geschaffen hat. Obstbäume, deren Früchte von Frühling bis Winter geerntet und verkostet werden, prägen das Gemeindebild. Mittelpunkt dieser Initiative bildet der seit 2007 bestehende Alchemistenpark, der sich der Förderung der europäischen Obstvielfalt widmet und uns mit exotischen Geschmäckern wie Indianerbanane, Maibeere und Maulbeere in Chutneys begeisterte.

 

Gemeinsames Mittagessen auf dem Gemüsegut

Roland Teufl (ganz links) im Gemeinschaftsgarten Allhartsberg

Gemeinschaftlich gärtnern und Wissen teilen
Roland Teufl präsentierte uns am zweiten Tag den Gemeinschaftsgarten Allhartsberg, ein naturnaher Garten auf 1500 Quadratmetern, der für alle offen ist und den Austausch von gärtnerischem Wissen fördert. Der angrenzende Waldgarten Allmende versteht sich dabei als Gemeingut – ein inspirierender Ort, der das Verständnis und die Praktiken der Waldgärtnerei fördert. In unmittelbarer Nähe zeigte uns Roland auch seinen privaten Waldgarten, ein Experimentierfeld mit essbaren Sträuchern, Bäumen und Wildkräutern.

Das gemeinsame Mittagessen im charmanten Ambiente des alten Landgasthauses von Roland Teufls Großmutter bot uns u.a. eine Kostprobe der Vielfalt regionaler Kräuter.

Gemüsegut Neustift bei Obritzberg

Gewächshaus Cohousing Pomali in Wölbling

Humus: Das Herzstück regenerativer Systeme
Florian Amlinger rundete die Exkursion mit tiefgehendem Wissen über Humusbildung und Wurmkompostierung ab. Der Agrarwissenschaftler veranschaulichte, wie wichtig qualitativ hochwertiger Kompost für nachhaltige landwirtschaftliche Systeme ist und bot kompetente Beratung zur optimalen Gestaltung von Kompostanlagen.

Sigi Tatschl hat mit Kostproben verwöhnt

Stefanie Pamer (MAGK Architekten) und Andreas Pummer (IBR&I) beim Kompostieren

Permakultur für nachhaltiges Bauen relevant
Die intensiven Tage haben klar gezeigt: Permakultur vermittelt wertvolle Prinzipien und praktische Methoden, die direkt auf nachhaltiges Bauen übertragen werden können. Für Planende, Wohnbauträger und Forscher_innen bedeutet dies, dass das Verständnis für ökologische Kreisläufe, Ressourceneffizienz und Resilienz tiefgreifend erweitert wird. Die besuchten Permakultur-Gärten zeigen spannende Ansätze im Umgang mit Boden, Wasser und Biodiversität und wie gemeinschaftliches, nachhaltiges Denken in architektonische und städtebauliche Konzepte integriert werden kann – ein unverzichtbarer Schritt in eine zukunftsfähige Baukultur.

Fotos © Barbara Kanzian

Gemeinschaftsgarten Allhartsberg

 

 

Mai 2025
 Anpassungen auf dem Weg zur Klimaneutralität – Rückblick auf das 6. Konsortialtreffen   
Beim jüngsten Konsortialtreffen unseres Forschungsprojektes wurde deutlich: Klimaneutralität im Wohnbau ist ambitioniert und braucht realistische Rahmenbedingungen. Der ursprüngliche Zeitplan wird in Abstimmung zwischen dem Konsortium und dem Fördergeber angepasst.

Neue Meilensteine, klare Prioritäten
Bis Ende 2025 sollen die Gebäude klimaneutral entworfen, bis Mitte 2026 baurechtlich bewilligt und ab Herbst desselben Jahres realisiert werden. Wann und wie gebaut werden kann, hängt maßgeblich von Marktgegebenheiten, Fördermöglichkeiten und einer gesicherten Planungslage ab.

Forschung trifft Praxis
Alle beteiligten Bauträger – Alpenland, EGW und Schönere Zukunft – bringen unterschiedliche Perspektiven ein. Während Alpenland auf Skalierbarkeit für künftige Projekte setzt, nutzt EGW das Projekt, um Re-Use und CO₂-Bewertung in reale Bauprozesse zu integrieren. Bei Schönere Zukunft stehen derzeit Flächenaufbereitung und planerische Grundlagen im Vordergrund.

Andreas Pummer (IBR&I)

 

David Kraler (einszueins architektur)

Klaus Zednik (EGW)

 

Daniel Ehrl (MAGK Architekten)

 

Kommunikation & Weiterentwicklung
Die wöchentlichen F&E Jour Fixes bringen wichtige Erkenntnisse zu Materialien, Emissionen und Re-Use-Strategien. Diese Inhalte sollen künftig verstärkt auf Website und Social Media sichtbar werden. Auch Kurzvideos und Porträts der Beteiligten sind in Planung.

Michael Dragschitz (einszueins architektur)

 

Mathias Jordan (EGW)

 

Matthias Hofer & Tobias Wegner (Alpenland)

Gemeinsam weiterdenken
Unser Forschungsprojekt lebt vom Austausch, was in der offenen Abschlussrunde besonders  deutlich wurde: Motivation, Herausforderungen und Ziele sind vielfältig – und genau das macht den Prozess so wertvoll. DREI x NULL = NULL bleibt ein Raum für kollektives Lernen und konkrete Innovation im nachhaltigen Wohnbau.

Fotos © Barbara Kanzian

Oktober 2024
 Zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert: Bühne frei für DREI × NULL = NULL   
Bei der inspirierenden Kick-off Veranstaltung des Kongresses für klimaneutrales Bauen, der re_use Linz, hatte unser Forschungsprojekt seinen ersten großen, öffentlichen Auftritt. Daniel Ehrl von MAGK ARCHITEKTEN stellte es mit Verve einem interessierten Fachpublikum Ende Oktober im Lentos Kunstmuseum Linz vor.

Daniel Ehrl, der die operative Abwicklung von DREI × NULL = NULL leitet und das Projekt wissenschaftlich fundiert begleitet, war von dem regen Interesse und den zahlreichen Reaktionen des Publikums positiv überrascht: „Es ist faszinierend zu beobachten, wie überrascht viele Fachleute aus der Baubranche sind, wenn sie erfahren, welchen enormen Anteil Zement tatsächlich an den CO₂-Emissionen hat und wie dringend wir unsere Bauweise jetzt anpassen müssen, um Klimaneutralität zu erreichen. Das Forschungsprojekt DREI × NULL = NULL versucht, mögliche Lösungswege aufzuzeigen und dabei wissenschaftlich fundiert zu bleiben.“

Ein Schritt in die Zukunft der emissionsfreien Architektur

Die Resonanz auf dieses Projekt zeigt das wachsende Interesse und Bewusstsein für klimafreundliches Bauen. MAGK ARCHITEKTEN und einszueins architektur als Initiatoren dieses Projekts, treiben mit DREI × NULL eine Entwicklung voran, die den Weg für eine emissionsfreie Bauweise ebnet. Und die Zeit für eine neue, nachhaltige Architektur ist gekommen!

Fotos © roast media, The Innovation in Politics Institute

September 2024
 EGW auf dem Weg zum Meilenstein: Planung für CO2-neutrale Wohnbauten läuft auf Hochtouren   
Bei unserem Projekt DREI x NULL steht die Realisierung CO2-neutraler Wohngebäude im Fokus. Der Wohnbauträger EGW hat in Zusammenarbeit mit einszueins architektur die erste Planungsphase erfolgreich abgeschlossen. Auf dem Gelände der ehemaligen Kammgarnfabrik in Bad Vöslau (Niederösterreich) wird EGW zwei Gebäudetrakte errichten, die Teil eines umfassenden Bauvorhabens sind. Diese zwei Baukörper stehen im Zeichen des emissionsfreien Bauens und sind Teil des Forschungsprojektes DREI x NULL.

Zwei Gebäude, zwei Ansätze für CO2-neutrales Bauen
Die beiden Baukörper, KGH2a und KGH2b, verfolgen unterschiedliche bauliche Konzepte, um nachhaltiges Bauen und die Reduktion von CO2-Emissionen voranzutreiben:

KGH2a
ist als aufgeständertes Gebäude geplant. Durch das Aufstellen des Bauwerks auf Stützen wird der Kontakt mit dem Erdreich minimiert. Dadurch kann eine Bodenplatte aus Holz verwendet werden, die einen wichtigen Beitrag zur CO2-Reduktion leistet: Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der sogar CO2 bindet und langfristig speichert.

KGH2b
hingegen wird auf einer Tiefgarage errichtet. Dadurch wird es möglich, das CO2-Ausmaß unterirdischer Bauteile wie Garagen genau zu analysieren. Tiefgaragen haben oft einen großen Einfluss auf die CO2-Bilanz eines Bauwerks. Mit diesem Projekt kann dieser Einfluss beziffert werden.

Ein ungenutztes Industrieareal wird nachhaltig belebt
Der Standort der Baukörper befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen Kammgarnfabrik, einer Industriebrache, die heute ungenutzt und fast vollständig versiegelt ist. Mit dem Projekt bietet sich die Gelegenheit, dieses stillgelegte Gelände neu zu beleben und es gleichzeitig nachhaltig zu entwickeln – ohne dabei wertvollen Boden zu zerstören.

Ökologische Baumaterialien: Holz, Stroh und Lehm

Die Baukörper werden in einer elementierten Holz-Riegelkonstruktion errichtet, einer besonders nachhaltigen Bauart. Holz speichert CO2 und ist daher ideal für emissionsfreie Bauvorhaben geeignet. Zudem kommt eine Strohdämmung zum Einsatz, die hervorragende Dämmwerte bietet und ebenfalls einen CO2-Speicher darstellt.

Ein zusätzlicher, zentraler Baustoff ist Lehm, der in verschiedenen Formen und Konstruktionen im Gebäude eingesetzt wird. Dieser natürliche Baustoff reguliert das Raumklima, ist umweltfreundlich und wiederverwertbar – perfekt für ein nachhaltiges Wohnbauprojekt.

Auch alternative Fußbodenaufbauten, die ohne Zement auskommen, sind Teil der Planung. Da Zement einer der größten CO2-Verursacher in der Baubranche ist, wird durch zementfreie Konstruktionen ein weiterer Schritt in Richtung klimaneutralen Bauens unternommen.

Zeitplan und Ausblick

Der Baubeginn ist derzeit für das 2. Quartal 2026 vorgesehen, mit einer geplanten Fertigstellung im 2. Quartal 2028. Somit sind die Weichen für dieses Vorzeigeprojekt CO2-neutralen Bauens gestellt.

Renderings © einszueins architektur ZT GmbH

Mai 2024
 Lächeln, bitte! Mit der Null in der Hand zum Sieg  
Um die Wegbereiter:innen unseres visionären Projekts DREI × NULL = NULL angemessen darzustellen, haben wir vor Kurzem ein besonderes Fotoshooting organisiert. Sie wurden dabei mit der Null in der Hand abgelichtet – ein Symbol, das bei uns für den Gewinn steht. Der Gewinn darüber, eine Null-Emissionsfreiheit bei unseren Wohngebäuden zu erreichen.

Die drei symbolischen Nullen, die bei diesem Shooting zum Einsatz kamen, wurden selbstverständlich aus umweltfreundlichem und wiederverwertbarem Karton hergestellt – ganz im Sinne unserer Vision von Klimaneutralität. Ein herzliches Dankeschön geht an die kreativen Köpfe von MAGK Architekten, die sie mit Liebe zum Detail anfertigten.

April 2024
 Die Entstehungsgeschichte unserer Papier-Nullen: Ein Statement für Klimaneutralität und Kreislaufwirtschaft  
Manchmal sind es die kleinen Dinge, die eine große Wirkung haben. In unserem Fall sind es drei große Nullen, die beim Fotoshooting nicht nur optisch ins Auge stechen, sondern auch eine klare Botschaft transportieren: Klimaneutralität, Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung sind möglich – auch bei den Details.

Die kreativen Köpfe von MAGK Architekten haben diese beispielhaften Nullen entworfen und produziert. Doch sie sind nicht nur Dekoration. Sie stehen symbolisch für unser ehrgeiziges Projektziel: Drei Demonstrationsgebäude in allen Lebenszyklusphasen klimaneutral zu realisieren. Und das beginnt bei uns bereits mit den Requisiten.

Der Kreislaufgedanke im Detail

Unsere Nullen bestehen aus mehreren Schichten Wellkarton (auch bekannt als Wellpappe), die so konzipiert wurden, dass sie rückbaubar sind. Das Besondere daran? Ein cleveres Stecksystem ermöglicht es, die Nullen nach dem Projekt wieder in ihre Ursprungsform – einen großformatigen flachen Karton – zurückzubauen. So setzen wir den Kreislaufgedanken perfekt um: Statt im Müll zu landen, können die Kartons wiederverwendet oder für neue Projekte genutzt werden.

Nachhaltigkeit in allen Phasen

Dieser Ansatz ist kein Zufall, sondern repräsentiert unsere gesamte Arbeit am Forschungsprojekt. Für uns sind Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft gelebte Realität. Wir zeigen, dass es möglich ist, auch bei den kleinsten Details klimaneutral und ressourcenschonend zu handeln. Und in logischer Folge auch bei klimaneutralen Wohnbauten.

Fotos ©: MAGK Architekten

April 2024
 DREI × NULL = NULL: Mit „Krapprot“ und einer klaren Vision zum Netto-Null  

DREI × NULL = NULL steht für unsere Vision, mit drei Wohnbauten in allen Phasen – Errichtung, Betrieb und Rückbau – eine Netto-Null-Bilanz von Treibhausgasen zu erreichen. Dieser Ansatz, Nachhaltigkeit konsequent zu denken, spiegelt sich auch in unserer Corporate Identity-Farbe wider.

Das tiefe, satte Rot unserer CI wurde von uns ausgewählt, um Werte wie Energie und Verantwortung zu symbolisieren. Renate Hammer, die gemeinsam mit ihrem Büro IBR&I unser Projekt wissenschaftlich begleitet, sieht in diesem Farbton sofort eine Verbindung zu Krapprot, auch bekannt als Färberkrapp oder Rubia tinctorum. Getreu ihrem wissenschaftlichen Ansatz hat sie uns dazu die exakte botanische Beschreibung zukommen lassen:

„Der Färberkrapp (Rubia tinctorum, latein: Röte der Färber), auch als Echte Färberröte oder Krapp bezeichnet, war bereits im antiken Rom als Kulturpflanze in Gebrauch. Die Pflanzenart wird zur Gattung der Färberröten (Rubia) innerhalb der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae) gezählt. Krapprottöne können aus der Wurzel der Färberkrapp gewonnen werden.“1

 So wie der Färberkrapp seit Jahrhunderten für beständige Farbgebung genutzt wurde, verkörpert unser Rot die Tiefe unseres Engagements für eine Netto-Null-Zukunft. Unser Projekt verbindet zukunftsweisende Architektur mit Verantwortung – eine Vision, die genauso kraftvoll ist wie der Farbton selbst.

1Vgl.: Das Farbenbuch, Muntwyler S., Lipscher J., Schneider H., alataverlag, 09/2022 /// Illustration aus: Köhler’s Medizinal-Pflanzen, 1887

April 2024
  Unser neues Logo: Symbol für eine klimaneutrale Zukunft  
Wir sind stolz, unser brandneues Logo zu präsentieren! Es steht als visuelles Symbol für unser ehrgeiziges Ziel, drei vollständig klimaneutrale Wohngebäude zu schaffen.

Michael Dragschitz von einszueins architektur gestaltete dieses Logo für uns und hat mit seinem Entwurf unsere Vision perfekt eingefangen: Im Zentrum des Logos befindet sich ein markantes rotes Haus mit weißen Blättern, das für nachhaltiges Bauen und Leben im Einklang mit der Natur steht. Die „Null“ unseres Forschungsnamen DREI × NULL = NULL repräsentiert unser Versprechen, eine Netto-Null-Bilanz an Treibhausgasen über den gesamten Lebenszyklus der Gebäude – von der Grundstückswahl über den Bau und die Nutzung bis hin zum Rückbau – zu erzielen.

Die Farbwahl wurde dabei gezielt eingesetzt, um zentrale Werte zu transportieren:

  • Rot steht für Dringlichkeit und Leidenschaft – die treibende Kraft hinter unserem Engagement für klimaneutrales Bauen.
  • Weiß symbolisiert Reinheit und unser Streben nach emissionsfreier Nachhaltigkeit. Es verkörpert den Idealzustand, den wir für unsere Umwelt schaffen möchten.
  • Schwarz vermittelt Entschlossenheit und Klarheit und betont, dass wir unser Ziel fokussiert und mit Nachdruck verfolgen.

Dieses Logo ist ein starkes Symbol für unseren Weg in eine klimaneutrale Zukunft – und wir freuen uns darauf, diese Vision gemeinsam in die Realität umzusetzen.

März 2024
 Erfolgreicher Workshop zum klimaneutralen Bauen in der Errichtungsphase 
Heute fand unser Workshop zum klimaneutralen Bauen in der Phase 1, der Errichtung, statt. Diese Phase erfordert ein tiefes Verständnis vieler Disziplinen. Daher ist es wichtig, nicht nur das Know-how innerhalb des Projektteams, sondern auch externe Expertise zu nutzen. Die wertvollen Inputs kamen von unseren Gästen Stefan Schrenk, Geschäftsführer der LeanWorks GmbH, Kurt Pock, Statiker und Inhaber des Ingenieurbüros KPZT, sowie Matthias Kendlbacher, Bauphysiker und geschäftsführender Gesellschafter der Larix Engineering GmbH.

Handwerker:innen wie Chirurg:innen: Effizienz auf der Baustelle

Stefan Schrenk zieht Parallelen zwischen Handwerker:innen und Chirurg:innen im Operationssaal. Auf Baustellen, sowie im OP, sollten Effizienz, kurze Einsatzzeiten und optimierte Arbeitsbedingungen Priorität haben. Doch diese Effizienz geht oft auf Baustellen in großem Maßstab verloren. Er betont, dass Verbesserungen in diesen Bereichen entscheidend sind, um nachhaltiges Bauen zu ermöglichen.

Vorfertigung und Logistik: Der Schlüssel zur Optimierung

Kurt Pock, Experte im Holzbau, plädiert für eine möglichst geringe Industrialisierung, jedoch für einen hohen Vorfertigungsgrad in der Werkshalle. Auch die Verpackung und Logistik spielen laut Pock eine entscheidende Rolle, um den Bauprozess effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten. Logistikplanung sei hier das A und O.

Bauphysik der Zukunft: Weniger ist mehr

Bauphysiker Matthias Kendlbacher verfolgt den Ansatz, alles Überflüssige aus den Gebäuden zu entfernen. So könne man beispielsweise durch schüttungsfreies Bauen und innovative Lösungen in der Haustechnik Material und Ressourcen sparen. Kendlbacher hinterfragt auch die Sinnhaftigkeit von Vorsatzschalen und zeigt am Beispiel des Kellers, dass ein Verzicht zu einem reduzierten Stahlverbrauch und einem geringeren Bedarf an Baugrubensicherung führen. Der Trend zum Kaltdach, das sich ökologisch dämmen lässt und idealerweise hinterlüftet ist, bietet weitere Möglichkeiten für nachhaltiges Bauen.

Disziplinübergreifende Zusammenarbeit für nachhaltiges Bauen

Dieser Workshop hat gezeigt, wie wichtig es ist, disziplinübergreifend zusammenzuarbeiten, um klimaneutrales Bauen zu realisieren. Die Erkenntnisse und Diskussionen werden sicherlich in den nächsten Projektphasen eine wichtige Rolle spielen.

Fotos © Barbara Kanzian

Dezember 2023
 Exkursion ins nachhaltige Bauen  
Bevor unser Forschungsprojekt so richtig Fahrt aufnahm, stand eine dreitägige Exkursion am Programm. Diese von den Projektinitiator:innen, MAGK Architektur und einzueins architektur, organisierte Tour bot wertvolle Einblicke in die Welt des ökologischen Bauens und ermöglichte spannende Begegnungen mit Vorreiter:innen der nachhaltigen Architektur.

Eine Reise zu Wohnprojekten in Wien und Niederösterreich
Die Exkursion führte die Geschäftsführer:innen und Mitarbeiter:innen der Wohnbauträger Alpenland, EGW und Schönere Zukunft zu bereits realisierten Wohnprojekten in Wien und Niederösterreich. Diese Bauprojekte sind großteils aus ökologischen Baustoffen errichtet und demonstrieren eindrucksvoll die Vielzahl an Möglichkeiten, welche großartigen Lösungen heute mit nachwachsenden Materialien möglich sind.

Firmenbesuche: Know-How aus erster Hand
Neben den Besichtigungen der Wohnprojekte standen auch Firmenbesuche bei Händler:innen und Produzent:innen auf dem Programm. Diese Expert:innen teilten ihr reiches Know-How im Bereich nachhaltige Baustoffe mit uns. Der informative Austausch und die spannenden Gespräche mit diesen Fachleuten waren ein zentraler Bestandteil der Exkursion.

Ökologisches Bauen: Von der Nische zum Mainstream
Die Tour zeigte sehr schön, dass das Bauen mit ökologischen Baustoffen sich mehr und mehr aus einem Nischendasein befreit und heute unterschiedlichste Lösungen für Wohn- und Arbeitsmodelle hervorbringt. Diese Entwicklung unterstreicht die wachsende Bedeutung und das Potenzial nachhaltiger Baustoffe in der modernen Architektur.

Fotos: David Kraler/einszueins architektur, Daniel Ehrl/MAGK und Barbara Kanzian

November 2023
 Expert:inneninterviews als Basis für nachhaltiges Bauen 
Zu Beginn unseres umfassenden Forschungsprojekts wurden neben den Exkursionen auch Interviews mit Expert:innen aus verschiedenen Fachbereichen geführt. Diese Gespräche hatten das Ziel, forschungsrelevante Fragen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu diskutieren und damit eine solide Grundlage für alle Projektpartner:innen zu schaffen, um das Thema Nachhaltigkeit in der Bauwirtschaft ganzheitlich zu beleuchten.
Die Expert:innen brachten dabei unterschiedliche Perspektiven und Schwerpunkte in die Diskussion ein. Während einige den Fokus auf Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft legten, betonten andere die Bedeutung von einfachen Bauweisen oder regionalen Materialien. Jedes Interview begann mit einer kurzen Vorstellung des Forschungsprojekts, gefolgt von acht zentralen Fragen, die jedem der Expert:innen gestellt wurden.

Die Expert:innen im Überblick:

Klemens Schadauer – Leiter der Abteilung Fernerkundung des Bundesforschungszentrums Wald. Zuständig für die Österreichische Waldinventur und Mitautor der Studie „Care for Paris“.
Foto ©: Schadauer

Anja Rosen – Entwicklerin des Urban Mining Index. Sie beschäftigt sich mit Rückbauten im Bauprozess. .
Foto ©: Wilfried Gerharz

Mirjam Kupferschmid und Sarah Barth, Initiative Countdown 2030 – ein Kollektiv von hauptsächlich Architekt:innen mit der Forderung nach netto Null Treibhausgas in der Schweizer Bauwirtschaft bis 2030.
Mirjam Kupferschmid: ©Jil Kugler / Sarah Barth: ©Juliette Fong

Christof Ziegert – Fachmann für lasttragenden Lehmsteinbau.
Foto ©: Phillip Zwanzig

Florian Nagler – Experte für „einfach Bauen“.
Foto ©: Johanna Nagler

Peter Kneidinger – Geschäftsführer bei Materialnomaden und Pionier für Prozesse zur Kreislaufwirtschaft in Österreich.
Foto ©: Benedikt Novak

Matthias Doubek ist interdisziplinärer Holzbauingenieur
Foto ©: Andrea Rührnschopf

Christof Weissenseer, CEO Weissenseer
Foto ©: Weissenseer

Die Fragen an unsere Expert:innen:

  1. Carbon Footprint: Welchen Beitrag leistet die CO2-Bilanzierung an der Umsetzung einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Baubranche?
  2. Resilienz: Inwieweit muss Resilienz bzw. Klimaanpassung in den kommenden Jahrzehnten neu bewertet werden und hat dies Einfluss auf künftige Bautätigkeiten?
  3. Regionalität: Welchen Einfluss sollte Regionalität auf das Baugewerbe ausüben?
  4. Low Tech: Welchen Beitrag können Low-Tech-Lösungen leisten und wie groß ist ihr Hebel?
  5. Planetare Grenzen: Wie und in welchem Ausmaß trägt das Bauen dazu bei, dass planetare Belastungsgrenzen überschritten oder nicht überschritten werden?
  6. Materialverbrauch: Welche Lösungsansätze sind für einen nachhaltigen Umgang mit Materialien in Zukunft vorzusehen?
  7. Ehrlichkeit: Wie ehrlich ist die Annahme, CO2-neutrale Gebäude errichten zu können? Ist die Annahme von CO2-Senken auch künftig noch belastbar?
  8. Klimaschutz: Was ist der größte Hebel, den Bauen zum Klimaschutz leisten kann?

Die Antworten unserer Expert:innen

Auf diese zentralen Fragen lieferten unsere Expert:innen vielfältige Antworten. Klemens Schadauer sieht beispielsweise im Waldmanagement einen Hebel zur CO2-Reduktion. Er betont die Bedeutung der CO2-Bilanzierung für eine klimafreundliche Waldnutzung: Wälder spielen eine zentrale Rolle im Kohlenstoffkreislauf und müssen nachhaltig bewirtschaftet werden, um langfristig als CO2-Senken zu funktionieren.

Anja Rosen hebt die Relevanz von Rückbauprozessen im Urban Mining hervor.

Die Wiederverwendung von Baumaterialien schont Ressourcen und reduziert Abfall, was für die Kreislaufwirtschaft von entscheidender Bedeutung ist. Mirjam Kupferschmid und Sarah Barth von der Initiative Countdown 2030 fordern einen radikalen Wandel in der Bauwirtschaft, weil ohne netto Null Treibhausgasemissionen bis 2030 das 1,5-Grad-Ziel nicht erreichbar ist.

Christof Ziegert plädiert für den verstärkten Einsatz von Lehm als Baumaterial: Lehm ist regional verfügbar, recyclebar und besonders energieeffizient in der Herstellung, was ihn zu einer ökologisch sinnvollen Alternative macht. Florian Nagler stellt die Einfachheit im Bauen als zukunftsweisend dar: Er ist davon überzeugt, dass weniger komplexe Gebäude robuster, ressourcenschonender und besser an die sich ändernden klimatischen Bedingungen anpassbar sind.

Peter Kneidinger unterstreicht die Dringlichkeit von Kreislaufwirtschaft im Bauprozess: Nur durch geschlossene Materialkreisläufe kann die Bauindustrie langfristig auf einem ressourcenschonenden und umweltfreundlichen Weg bleiben.

Matthias Doubek betont die Notwendigkeit, einfache Low-Tech-Lösungen zu entwickeln. Sie machen das Bauen effizienter und weniger ressourcenintensiv. Er ist überzeugt, dass technologische Einfachheit oft robuster und wirtschaftlicher ist.

Christof Weissenseer sieht die Regionalität als besonders wichtig an. Der Einsatz lokaler Baumaterialien verringert Transportwege und Emissionen. Außerdem werden dadurch lokale Wertschöpfungsketten gestärkt und traditionelle Bauweisen gefördert.

Die Interviews zeigen eindrucksvoll, dass innovative Ansätze und interdisziplinäre Zusammenarbeit unverzichtbar sind, um die Bauwirtschaft nachhaltig und resilient zu gestalten.